(Melodie & Chung ist im Grunde ein Theaterstück mit 5 Akten, doch diese Namen geben weitaus mehr her.) Musik war zu hören, Kinder lachten, Vögel zwitscherten. Melodies Gang war leicht und sie träumte davon, wie sie sich auf Wolken bewegte, von Kumulus zu Kumulus springend mit einem summenden Liedchen über ihre Stimmbänder gleitend. Bei jedem Sprung bewegte sich ihr Haar in der Luft und bei jedem Aufkommen wippte jede einzelne Wolke leicht verwegen, doch immer landete Melodie wunderbar weich. Freude, Lachen und ihr Summen wurde mit jeder gelungenen Landung ein Stückchen lauter. Schon die Vorstellung, dies von der Erde aus zu beobachten, mit diesem leisen Liedchen im Ohr, wie ein kleines Dirn von Wolke zu Wolke springt, kann nur zum Träumen und schmunzeln einladen. Auf einer kleinen festen Wolke legte sich Melodie, zufrieden und nach Luft schnappend, auf den Rücken und betrachtete den Himmel. Kein Stern war zu sehen und doch starrte sie, mit kleinen Falten um die Augen, in das ihr so geliebte Himmelszelt. Der einzig und alleinige Vertreter der am Himmel in einer Sichelform zu sehen war, war der Mond. Er hatte am Tage kein Gesicht, dennoch spürte sie, dass er lächelte. Wenn man es genau betrachtet lächelt der Mond fast immer, man muss nur den Kopf zur richtigen Seite drehen. (zwinker) Dem Mond entgegen lächelnd, drehte sich Melodie auf den Bauch und streckte ihren Kopf über den Wolkenrand. Sie sah wie Bäche, Seen und Meere schimmerten. Von hier oben sah es aus, als wenn alle Edelsteine dieser Welt in diesen Gewässern vereint sein und vielleicht waren sie das auch. Ein törichter Mensch hätte sich jetzt wohl gewünscht diese Edelsteine zu bergen, um nie wieder in Armut leben zu müssen, oder mit einem erkauften Ansehen durch die Welt gehen zu können, doch für Melodie war dieser Moment viel mehr Wert, als all diese Edelsteine. Ihr Herz schlug schneller, und bei all dieser Schönheit und den Gedanken an diese einzigartige Welt, trat ihr ein lachendes Gesicht vor Augen. Es war nicht das Gesicht des Mondes. Nein. Es war das Gesicht welches sie immer bei sich trug und zwar jenes von Chung. Kurz machte sich Nachdenklichkeit auf ihrer Stirn breit, doch dann lächelte sie wieder. Melodie träumte davon, jetzt mit dieser Wolke auf der sie lag, davon zu fliegen. Sie träumte von einem Lippenbekenntnis, Seite an Seite, Tag für Tag und Nacht für Nacht gemeinsam die Köpfe zu drehen, so dass man den Mond lächeln sah. Melodie schloss ihre Augen und ließ sich mit ihrer Wolke treiben. Unter ihr auf der Erde reckten Krokusse und Schneeglöckchen ihre Köpfe durch die dünne Schneedecke, traten Menschen auf die Straßen und schauten mit vorgehaltener Hand in den Himmel. Es schien, als wenn diese Menschen zu Melodie hinauf schauten und sie auf ihrer Wolke treibend beobachteten. Zuversicht, Offenheit, Hoffnung und Liebe war in den Gesichtern zu sehen. Melodie bekam von diesem Schauspiel nichts mit, denn sie war ganz woanders. Und hätten die Menschen ihr zufriedenes Lächeln gesehen wären sie sich freudestrahlend in die Arme gefallen. Die Zeit verstrich und doch war diese Zeit nicht von Bedeutung, vielleicht ist Zeit nie von Bedeutung, wenn man weiß wo man hingehört. Melodie öffnete die Augen, hob die Hand und schrieb mit dem Finger zwei Sätze in den Himmel. - Dies war mein Osterspaziergang. Ich liebe Dich -   Melodie Wolkensprung (2010) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -