Es war einmal vor gar nicht allzu langer Zeit. Der Sommer stand in voller Blüte, die Bäche und Flüsse flossen ruhig und in ihrer gesamten Pracht durch die Landschaft, Seen schimmerten bei aufgehender Sonne im Morgengrauen und alles gab sich einem seltsamen Lichtspiel hin. Kristallklar und mit einer unbeschreiblichen Schönheit begann der Tag. Bäume und Sträucher gaben sich einem Schauspiel von Licht und Schatten hin. Vögel zwitscherten ihre Lieder und Schmetterlinge und Bienen waren schon früh auf den Beinen, um diesen Tag gebührend zu feiern. Alles zeugte von einer wundervollen Harmonie und niemand wäre darauf gekommen, dass irgendetwas fehlte oder anders war als sonst. Aber es fehlte etwas. Es fehlte etwas Kleines und für manch Dahergelaufenen völlig unscheinbares, aber doch für jeden Menschen außerordentlich Wichtiges. Die Rede ist von einem herzlichen unbefangenen Lachen einer jungen Frau namens Chantal. Sie war bekannt dafür, ein sehr fröhlicher und ausgesprochen geselliger Mensch zu sein, doch irgendwas hatte sich verändert. Irgendetwas hatte sich in ihr Leben geschlichen, ganz unscheinbar und ohne Vorwarnung, setzte sich eine seltsame Befangenheit auf ihre Schultern und veränderte sie. Alles ankämpfen und alle Versuche sich dem zu widersetzen schlugen fehl. Sie wusste nicht was passiert war und irgendetwas drückte in ihrem Herzen, doch sie konnte nicht so recht sagen was es war. Die Erinnerung an die Leichtigkeit, die sie fast tagtäglich begleitete, zerrte an ihr. Herzlich und das Leben liebend zog sie früher durch die Landschaft und steckte Menschen mit ihren Späßen und ihrem Lachen, wie eine Krankheit, an. Die Fantasie und das Streben nach Glück stand ihr ins Gesicht geschrieben, doch das alles fand nun keinen nahrhaften Boden, weil dieses liebende Herz erdrückt wurde von Zorn, Schmerz, Unzufriedenheit und unerfüllter Liebe. Schon so oft war alles ganz anders gekommen, als sie es sich gewünscht hatte. Ein Rückzug und alles in Frage stellen war auf kurz oder lang vorprogrammiert, alles verlor seinen Glanz und viele nahestehende Menschen machten sich Sorgen um sie. Viele wilde Gedanken machen sich breit. Ist alles richtig so wie es läuft? Sollte ich weiter kämpfen? Sollte ich versuchen diese Situation zu meistern? Ist das alles eine Prüfung der besonderen Art? Was soll das alles? Geschieht das mit irgendeinem Hintergrund? Schicksal? Chantals fand keine Antwort und ließ sich treiben und versuchte über die Zeit auf alle diese Fragen eine Antwort zu finden, doch mit der Zeit wurden die Fragen nicht weniger sondern mehr. Es wirkte wie ein blauer Himmel der sich langsam mit grauen Wolken füllt, irgendwann alles blau verschwindet und es anfängt, Tage, Wochen oder gar Jahre zu regnen. Chantal wollte nicht mehr so weitermachen. Wo ist mein Lachen und was nützt die Liebe in Gedanken? Die junge Frau wollte suchen und ihr Lachen wiederfinden. Sie wollte nicht irgendwann sagen, dass das was sie sich unter erfüllter Liebe vorstellte da draußen existierte und sie sich nicht auf den Weg gemacht hatte es zu finden bzw. festzuhalten. Eine Liebe die ihr das Lachen und die Unbeschwertheit zurück gibt, sie so sein durfte wie sie ist. Den inneren Frieden wollte sie spüren und lachend durch die Welt springen, wie ein Frosch bei Regenwetter. Die Suche begann. Chantals suchte erwartungsvoll in Gläsern, in Töpfen, in Schränken, in Schubladen, in Büchern, in der Waschmaschine, in Einkaufspassagen, unter Bänken im Park, hinter Bäumen und Büschen, unter dem Sitz in der Tram, in ihrem Rucksack, einer leeren Flasche Wein schaute sie in den Hals, auf dem Wochenmarkt unter die aufgehäuften Früchte, hinter Körbe volle Obst und Gemüse, sprang voller Erwartung hinter der Leute Rücken, doch sie fand nichts. Ihr immer treuer Gefährte die Zuversicht rückte immer weiter von ihrer Seite. Sie fand nichts, weder das ersehnte Lachen noch einen Hinweis darauf. Traurig zog sie ihrer Wege und immer wenn ihr was über den Weg lief, wo sie noch nicht geschaut hatte, trat die Zuversicht an ihre Seite. Diese aber sofort wieder verschwand und sich in die Ernüchterung verwandelte, weil wieder nicht das Erhoffte zu finden war. Tage, Wochen und Monate vergingen. Fragend und müde vom Suchen setzte sich auf den Bordstein und gab sich ihren Tränen hin. Die Trauer, der Frust und die Unzufriedenheit standen neben ihr und die Zuversicht war in weite Ferne geflogen. Mit feuchten Augen auf dem Boden starrend, den Kopf auf den verschränkten Armen liegend, saß sie nun da und wusste nicht weiter. Die Zeit verstrich. Minuten, vielleicht auch Stunden, es spielte keine Rolle mehr. Plötzlich trat ein Schatten neben ihr auf und es setzte sich irgendwer neben sie. Chantal war zwar neugierig, doch sie hob den Kopf nicht. Sie wollte sich niemandem erklären weder ihre Tränen zeigen. Ihr war es unangenehm. Und wer sollte das schon sein? Wen interessierte ihr Leid oder die Geschichte ihrer Suche schon? Etwas raschelte und kurze Zeit später lag ein Apfel mit einem eingeschnitzten lachenden Gesicht zwischen ihren Beinen. Verwundert sah sie den Apfel an, doch sie traute sich immer noch nicht aufzuschauen. Einen kurzen Moment verschwand der Druck und sie spürte etwas, doch ehe sie sich versah, lag etwas Neues zwischen ihren Beinen. Es war ein kleiner zusammengefalteter Zettel, sie wollte aufschauen doch zögerte einen Moment zu lange und als sie ihren Kopf hob, war die Person, die eben noch neben ihr gesessen hatte, verschwunden. Chantals drehte sich schnell und suchend nach allen Seiten, doch da war niemand mehr. Verwirrt blickte sie noch einmal in alle Richtungen, doch nichts. Wer war das? Hatte sie geträumt? Schnell blickte sie auf dem Boden und sah den grinsenden Apfel und den Zettel liegen. Nein, sie hatte nicht geträumt. Da war jemand, nur wer? Völlig verwirrt griff sie nach dem Zettel und las. "Die Schönheit steht dir ins Gesicht geschrieben, was hat dich nur soweit getrieben? Lache und sein kein Kind von Traurigkeit, bist du für die Schönheit dieser Welt bereit?"  Das verschwundene Lachen (für Chantal - 2008) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -