"Fleißig, fleißig" sprach der Herr. “Alles wird irgendwann seine Früchte tragen". Belanglos nahm ich es hin. Wieder eine Floskel, die Mut geben sollte. Ich grub und grub und ich stellte mir langsam die Frage, ob ich nicht bald auf Wasser stoßen müsste? Hier? Eher unwahrscheinlich! Was gab es hier? Nichts, außer Sand, Sand und nochmals Sand. Trotz der Schwere der Lage schmunzelte ich in mich hinein, denn bei der Vorstellung hier auf Wasser zu stoßen, hätte ich echt Lust gehabt eine Sandburg zu bauen. Als Kinder haben wir das Kleckerburg genannt. Stundenlang haben wir am Ufer gesessen und den feuchten, wässrigen Sand mit den Händen aus einem Loch geschaufelt. Die Finger gespitzt, träufelten wir millimetergenau den feuchten Sand auf die immer größer werdenden Kleckerberge. Erinnerungen stiegen in mir auf und die Schaufel wurde von Mal zu Mal schwerer, obwohl sich die Menge auf der Schaufel nicht erhöhte. Ich träumte von Kraft, Stärke und von Bergen, von Bergen die nicht aus Stein sondern aus Muskeln waren. Ich wollte das schnell hinter mich bringen, aufhören zu graben, aufhören fleißig zu sein, aufhören zu fragen warum ich dies alles tat. Der Herr saß neben mir und begann auf einem Klavier zu spielen. Die Melodie beruhigte mich und versetzte mich in eine Art Trance. Ich befand mich plötzlich in einem Tunnel, umgeben von düsteren Tönen hinterlegt mit einem treibenden, monotonen und gleichbleibenden Beat, gleich meines Herzschlags. Die Schaufel fiel mir aus der Hand und plötzlich über dem Boden schwebend, löste sich meine derzeitige Umgebung blitzartig auf. Haltlos, verlangend, kleptomanisch nach einem Neuanfang suchend, den es vielleicht gar nicht gab, grub ich mir, wie früher mit den Händen in diesen Sandlöchern, einen Weg durch die Leere. Keimzeit und "Dies ist nicht das Ende" drückte von allen Seiten auf meine Ohren. Es fühlte sich an, als wenn ich von tausenden Boxen in eine Richtung gedrückt wurde, aber dennoch nichts vorwärts ging. Fliegen, zappeln, fliegen, zappeln.................wohin???? Zitternd, bebend, gleich einem epileptischen Anfall, erwachte ich schlagartig auf meinem Sofa. Beklemmt, verfolgt, noch nicht richtig realisierend wo ich mich überhaupt befand, stand ich auf und schaltete wie hypnotisiert das Radio an. Die Nachrichten ertönten. Ich hörte wie der Sprecher ein Blatt zur Seite legte und mit einer gedämpften Stimme zum nächsten Thema überleiten wollte. Doch ihm versagte die Stimme. Nach einem Räuspern las er eine Meldung vor, die mir einen seitlichen Hieb versetzte. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht welche Tragweite diese Nachricht haben sollte und doch spürte ich etwas. Es zog in der Herzgegend, meine Beine wurden schlapp und ich versank neben meiner schwarz-weiß gestreiften Decke auf dem Sofa. Erschütterung war zu spüren und ich wusste nicht warum. Wieder erklang Keimzeit. Diesmal ein "Ein See voller Tränen". Der Sprecher im Radio hatte längst weiter geblättert und doch hallte diese Nachricht, wie ein wildes Echo, sekundenlang nach. Was sollte ich denken? Was sollte ich glauben? Ich fragte mich, was hatte das Ganze mit mir zu tun? Welche Tragweite hatte diese vorgelesene Nachricht? Dieser Text hatte viel verraten und doch auch wieder nichts. Ich drehte mir eine Zigarette und stellte mich auf die Terrasse. Nicht wissend was ich glauben und denken sollte, sprach ich einen Dank aus. Einen Dank für diese Reise durch die Zeit, durch den Raum und an deiner Seite. Ihr fragt euch sicher was der Nachrichtensprecher wohl vorgelesen hat? Ab und an wird die schönste Sache der Welt zu einer uneinnehmbaren Festung. Sie rieselt dir durch die Hände wie loser Sand, wird weggetragen von einer Welle, wie die zu nah am Wasser gebaute Sandburg. Die Zeit verwischt den Glauben. Doch Glaube versetzt Berge und dringt tief in dich ein. Ich kann nur eins - Dich nicht vergessen.” Hero    Untitled (2010) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -