„Aufgepasst und hereinspaziert.“ schrie es irgendwo an einer Straßenecke im Nirgendwo. Es war nicht zu überhören, aber dennoch nicht auszumachen wo es herkam. „Hereinspaziert. Weltsensation. Schauen Sie vorbei! Das haben Sie noch nie gesehen. Sie werden ihren Augen nicht trauen. Hereinspaziert!“ Diese Parolen wollten nicht verstummen und in mir erwachte plötzlich der Sherlok Holmes. Ich wollte unbedingt herausfinden wo diese Schreie ihren Ursprung hatten und was es damit auf sich hatte. Beim erstmaligen verlauten dieser Worte, dachte ich, das ist doch wieder so ein Stümper, Scharlatan oder Möchtegernmagier, der hier die Leute um ihr hart und wohlverdientes Geld bringen möchte. Ich befragte unbekannte Menschen wo die Stimme herkam, doch die Leute schauten mich nur verständnislos an. Je mehr Leute ich befragte, umso seltsamere Blicke erntete ich. Sollte dies bedeuten sie hörten diese Stimme nicht? War es längst stadtbekannt wer da schrie? Ich zweifelte. Hörte ich Stimmen die nicht existent waren? Bildete ich mir das alles nur ein? Diese Stimme war doch laut und deutlich. Verwirrt legte ich mir die Hände auf die Augen und versuchte mich zu konzentrieren. Ich wollte die Stimme ausblenden, doch es funktionierte nicht. Sie war real, dessen war ich mir sicher. Plötzlich zupfte jemand an meinem Ärmel und ich nahm die Hände von den Augen. Von Lichtpunkten gesäumt, da sich meine Augen nicht sofort an die Helligkeit gewöhnten, erblickte ich einen kleinen Jungen, welcher wild entschlossen in eine Richtung zeigte. Ich verstand nicht so recht. Was wollte er von mir? Seine Lippen bewegten sich und doch schien kein einziger Laut aus seinem Munde zu kommen. Aufgeregt und fast schon aufgelöst zeigte er immer wilder in die eine Richtung. Kurzzeitig hatte ich die Stimme des Mannes ausgeblendet, doch da war sie wieder und wie ich bemerkte lauter und deutlicher als zuvor. Holmes erwachte abermals und ich folgte dem Jungen. Er zerrte und zog und war kaum zu bremsen. Er führte mich durch Gassen und Hinterhöfe, über Treppen und winzige Straßen, vorbei an Gemüseständen und  Straßengauklern, bis er mich plötzlich mit beiden Händen nach vorn gesteckt, stoppte. Orientierungslos schaute ich mich um, bis er wiederum an meinem Ärmel zupfte und auf einen alten Mann zeigte, der inmitten eines Platzes auf einem Teppich saß und meditierte. Ich sah ihn an und hörte klar und deutlich wie die Worte, welche die ganze Zeit in meinen Ohren hallten, aus seiner Richtung kamen. Ich war jedoch verstört, weil seine Lippen sich nicht bewegten und dennoch weiterhin Parolen aus seiner Richtung zu hören waren. Ich ging mit Vorsicht näher und schaute von allen Seiten, ob sich da irgendwo was versteckte. Vielleicht ein kleines Radio, ein Tonband oder ähnliches, doch nichts, nada, nothing. Nur zwei kleine Tassen Tee, wie man sie aus dem Orient kennt, standen vor ihm. Dünner Dampf stieg empor und ein seltsamer Duft erreichte meine Nase. Ich konnte nicht anders und setzte mich vor ihn. In diesem Moment wurde es still. Die Eintrittsparolen und Lockrufe waren verschwunden und ich schaute mich kurz nach dem Jungen um, doch dieser war längst verschwunden.  Ich sprach den Alten an: "Was soll das alles?" Es dauerte eine Weile bis ich eine Antwort bekam, doch dann sprach der Alte ohne den Mund zu öffnen: "Hallo mein Freund. Gewiss ist deine Angst und sind deine Fragen berechtigt, doch höre was ich zu sagen habe. Ich möchte dir nichts Böses. Dir scheint das Leben aus dem Herzen, du bist gut und gerecht und du hast dir schon oft die Frage gestellt, was bringt dir das alles? Oft hast du gezweifelt und dennoch bist du dir immer treu geblieben. Ich möchte dir heute etwas zurückgeben. Es ist weder Gold noch sind es Juwelen. Es ist nicht viel, nicht groß und begehrenswert, doch ich glaube, dass du es zu schätzen weißt. Es steht genau vor dir." Ich verstand die Welt nicht mehr, hatte Fragen über Fragen, doch wie in Trance griff ich zu einer der dampfenden Tassen Tee und trank. Es wurde schon bei den ersten Schlucken wohlig warm ums Herz und eine selten zuvor erlangte Zufriedenheit stellte sich ein. Ich schloss die Augen und genoss den Tee. Nun stand ich inmitten tosender Winde, rauschender Schneestürme, die Schneekönigin griff nach meinem Leib und doch konnte mich Nichts erkühlen. Ich fühlte mich umhüllt von einem Feuer, welches der Königin des Schnees keine Chance gab. Als ich die Augen öffnete, saß ich auf meinen Balkon, hielt eine Tasse heißen Tee in den Händen und es schneite mir ins Gesicht.  Tee (2010) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -