1.Akt - Semilia allein in ihrem Kämmerchen und Clemon in den Seinen Unruhig und von Ungewissheit ihrer verworrenen Gedankenwelt getrieben, liefen Semilia Tränen über die Wangen. Semilia: “Was soll ich nur tun? Wem soll ich mich anvertrauen? Wie kann ich mir helfen? In welche Hände soll ich mein Schicksal legen? Mein Herz ist so schwer. Doch entlockt es mir ein Lächeln und der Optimismus steigt in mir auf, wenn ich an die Zukunft denke. Die Zukunft an seiner Seite. Frei zeigen zu dürfen was ich fühle und frei zeigen zu dürfen was in meinem Herzen schlummert.”  Semilia setzte sich an den Tisch vor dem Kamin. Ihre Hände waren eisig. Die Gefühle von verlorener Hoffnung und Zuversicht ließen sie fiebern, wie bei einem Kälteeinbruch in einer lauen Herbstnacht. Semilia: “Vater! Mutter! Warum könnt ihr nicht verstehen, dass sich die Zeiten ändern, dass wir uns lieben und uns Treue schwören. Nicht aus Gründen, wie ihr es tatet, des Nachfolgeprozesses wegen oder der Tradition wegen, sondern weil wir in uns etwas spüren, was stärker ist als Tradition. Ich fühle, dass es das Richtige ist, dass dies nicht aus rebellischer Laune entstand, sonder aus tiefstem Verlangen in unser beider Herzen. Ich will mich nicht diesen Schicksal ergeben und mir irgendwann die Frage stellen für wen ich gelebt habe. Für Tradition und das Nachfolgeprinzip? Für euch? NEIN, für mich will ich gelebt haben! Warum könnt ihr das nicht verstehen? Warum geht das nicht in eure Köpfe? Wenn ich euch beide, dich Mutter und dich Vater, beobachte, werde ich ganz bleich. So wie ihr Tag ein - Tag aus aneinander vorbei lebt, kann dies für mich nicht die Erfüllung sein. Dem Schicksal ergeben und alles so hinnehmen, nein, das kann ich nicht! Was soll ich nur tun?” Zur gleichen Zeit - an einem anderen Ort - in einem andern Zimmer. Clemon: “Wilde Gedanken peitschen mich. Was verlangt das Leben von mir? Welch schwere Prüfungen legt es mir auf? Wer hat das Recht, über das Herz und die Gefühle anderer Menschen zu richten? Wer darf eine Liebe verbieten? Nichts und niemand kann dem Herzen verbieten sich dem Begehren und der Liebe zu entziehen. Kein Richter besitzt diese Macht und dieses Recht. Geliebte Semilia. Ich bin zwar nur ein armer Bauernjunge und kann dir wahrlich nicht viel bieten, doch das was ich dir bieten kann ist mein Herz, meine Treue und dein Recht auf ein eigenständiges Leben. Doch was nützt dies alles, wenn wir unsere Liebe nicht offen zeigen können und uns so viele Menschen ins Gewissen reden und nicht wollen dass wir Glücklich sind? Ein schweres Los, welches uns beide ereilt. Am liebsten würde ich weggehen. Die Erde, den Himmel, das Land, in dem wir gefangen scheinen, hinter uns lassen, um endlich tagtäglich deine Nähe und Wärme spüren zu dürfen.” Verzweifelt und den Tränen nahe, kniete Clemon auf den Boden und sprach ein Wunsch. Clemon: “Ihr da draußen. Ihr mir unbekannten Mächte. Wenn es euch gibt, dann erlöst mich von dieser Qual. Ich kann nicht Tag ein Tag aus, nur mit der Hoffnung im Herzen leben, dass alles ein gutes Ende nimmt. Es entzweit mich. Ich kann weder schlafen noch essen. Was kann ich tun? Wie kann ich sie auf ewig in meine Arme schließen und glücklich sein?” 2.Akt - Clemon und die Gesandte In tiefer Trauer, bemerkte Clemon nicht, dass sich eine weiße Taube auf seinen Sims am Fenster setzte und mit dem Schnabel gegen das Fenster klopfte. Clemon weinte. Die Taube klopfte mit jeder Sekunde, die Clemon sich seiner Trauer hingab etwas lauter, bis Clemon endlich durch seine verwaschenen Augen zum Fenster aufschaute. Clemon wischte sich mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen, stand auf, öffnete das Fenster und die Taube flatterte hinein. Verwundert und mit roten Augen sah Clemon sie an und sprach: „Was soll das bedeuten? Weshalb klopfst du an mein Fenster wunderbares Geschöpf Gottes? Welch ein Anliegen bringst du mit? Was machst du auf meinem Fenstersims?“ Kaum hatte Clemon diese Fragen gestellt, ertönte ein leiser Knall und eine weiße Wolke vernebelte den Raum. Erschrocken kniff Clemon seine Augen zusammen und trat einen Schritt zurück. Als er die Augen wieder öffnete war die Taube verschwunden und eine schöne elfengleiche Gestalt stand vor ihm. Clemon drehte es und ihm wurde leicht schwindelig, denn er konnte sich das alles nicht erklären. Abermals wischte er sich seine rot unterlaufenen Augen aus, doch alles blieb unverändert. Clemon fasste sich ein Herz und sprach: „Ich Grüße dich du unbekanntes Wesen. Mir schaudert es ein wenig, aber doch spüre ich weder Angst noch Scheu. Wie und was bist du? Woher kommst du? Warum bist du hier? Auf welche Weise soll ich deinen Besuch deuten?“ Die elfengleiche Gestalt ließ nicht lange auf eine Antwort warten und sprach mit einer sonderbaren, aber zu ihr passenden Stimme: „Mein Name ist Siofna und ich hörte von weiter Ferne, wie es Dir und deiner Herzallerliebsten ergeht und ihr beide in Trauer und Leid ertrinkt, ihr keinen Ausweg mehr seht, aus euren Herzen schwarze Tränen fließen und so wie sich die Lage im Augenblick verhält, all euer Leid kein Ende finden wird. Ich bin gekommen, um euch einen Weg zu zeigen. Ich möchte einen Vorschlag unterbreiten, welcher für manches Auge nicht sonderlich erhaben ist, aber ihr, wenn ihr denn auf meinen Vorschlag eingeht, Jahr für Jahr das Glück auf Erden finden werdet.” Clemon war verwirrt und noch nicht ganz bei Sinnen. Dennoch hatte er aufmerksam zugehört und alle die rätselhaften Worte von Siofna vernommen. Angespannt und mit leicht zittriger Stimme ergriff Clemon das Wort und wollte, von Zuversicht umsegelt, wissen was es mit Siofna`s Worten auf sich hatte. Clemon: „Ich bin mir nicht sicher und ziemlich verwirrt was es mit deinen Worten und Aufschlagen in meinen Gemächern auf sich hat. Spann mich nicht weiter auf die Folter, lass deine Worte fließen und erkläre mir was ich tun kann, um meine geliebte Semilia auf ewig an meiner Seite zu haben. Bitte sprich und lass mich wissen worum es geht.“ Siofna: „Nun gut. Ich sehe, dass du bereit bist. Doch zu Anfang will ich sagen, es ist keine leichte Sache und nicht nur du, sondern auch deine dir so geliebte Semilia muss sich im Herzen sicher sein. Sei dem nicht so, wird das Ganze nicht funktionieren und ihr werdet mit aller Härte die diese Welt zu bieten hat, für immer entzweit sein. Es wird kein Zurück mehr geben, es wird nie wieder so sein wie es einmal war. Nur eure Erinnerungen werden euch bleiben und die werden so schmerzlich sein, dass ihr beide daran Elend zu Grunde geht. Wir haben nicht viel Zeit und schon bei eurem nächsten Treffen wird es an euch liegen, wie es um euer Schicksal steht. Ich sage nur so viel, ihr werdet euch jedes Jahr begegnen und ihr habt jedes Jahr 6 Monate, um euch eurer Liebe hinzugeben, die restlichen 6 Monate des Jahres wird es euch nicht geben. Die Sehnsucht wird euch im Herbst und den ganzen Winter peitschen, doch meine Bekannte, die Zuversicht, wird euch tragen und helfen diese Zeit zu überstehen.” Clemon wusste noch nicht ganz was er von diesen Worten halten sollte, doch ein hoffnungsvolles Glitzern trat in seine Augen und gerade als Clemon noch eine letzte Frage stellen wollte, umgab ihn ohne jegliche Vorwarnung abermals eine weiße Wolke und durch den Dunst konnte er nur noch sehr wage erkennen wie die weiße Taube zum Fenster hinaus verschwand. Clemon wollte hinterher schreiten und sie zum bleiben drängen, er wollte erfahren was es mit den geheimnisvollen Worten von Siofna auf sich hatte, doch es war zu spät. Die Taube war verschwunden. Er schaute wehleidig aus dem Fenster und schloss nach kurzer Besinnung die Fensterflügel. Clemon trat in Gedanken versunken vom Fenster und gerade als den Raum verlassen wollte, bemerkte er einen weißen Schleier auf dem Boden. Er kniete nieder und ließ den Schleier durch seine Hände gleiten. Und als er dies tat, schwebte wie von Geisterhand eine kleiner Zettel zu Boden. Clemon griff danach und las. Die Notiz:Begebt euch bei dem nächsten Vollmond an den See. Nehmt das kleine Boot am östlichen Ufer und fahrt hinaus. Lasst euch treiben und seid euch eurer sicher. Sobald einer von euch nicht zu hundert Prozent bei dem andern ist, wird es nicht gelingen. Schon bald, wenn der Vollmond über den See tritt und alles seelenruhig schläft, legt ihr euch den Schleier über die Köpfe und küsst euch. 3.Akt: Semilia und Clemon (Schmetterling) Clemon wusste nicht so recht ob er dieser Begebenheit Glauben schenken sollte, doch er war sich seiner Liebe sicher und so hielt es ihn nicht länger in seinen Gemächern. Er machte sich auf, um Semilia zu berichten was geschehen war. Semilia lag auf ihrem Bett und weinte, als sie ein leises Klirren vernahm. Sie stand auf und all ihre Tränen trockneten schlagartig, denn sie wusste Clemon stand im Hof und warf kleine Steine an ihr Fenster. Freudig und jede Träne vergessen, die sie in den letzten Stunden verloren hatte, öffnete sie das Fenster und gab Clemon ein Handzeichen, dass sie sich hinten am Stall treffen würden. Am Stall fielen sich beide in die Arme und küssten sich innig und wenn jemand beide so gesehen hätte, wäre einem jeden klar geworden das muss wahre Liebe sein. Clemon berichtete Semilia von seiner unglaublichen Begebenheit mit Siofna und schnell war klar das Semilia, wie auch er, keine Sekunde zögern würde. Sie mussten sich schnell entscheiden, denn genau heute Nacht war Vollmond. Ohne lange nachzudenken sagte Semilia: „Lass uns keine Zeit verlieren, besser jeden Sommer als nie im Leben.“ Es war spät geworden. Clemon und Semilia mussten sich sputen, denn die Nacht brach an und der See war noch weit entfernt. Semilia holte geschwind ihr Pferd aus dem Stall und beide ritten in höchster Eile davon. Nach dreistündigem Ritt erreichten sie endlich den See. In der Dunkelheit sattelten sie ab, banden das Pferd an einen Baum und eilten Hand in Hand zum Ufer. Beide waren erstaunt, dass das kleine Boot wie vorhergesagt am östlichen Ufer am See lag. Sie stiegen ohne langes Zögern ein und ließen sich treiben, so wie es die Notiz verlangte. Da sie nicht noch in letzter Minute ertappt werden wollten, sprachen sie kein Wort miteinander. Viel war in dieser Dunkelheit nicht zu sehen, doch Semilia und Clemon lächelten. So trieb das kleine Boot langsam auf den See hinaus und  schon bald trat das Schimmern des Mondes durch das Blätterdach der umliegenden Bäume. Es waren nur noch wenige Minuten bis der Mond den gesamten See erhellte. Semilia griff nach Clemon`s Hand und fragte flüsternd: “Was denkst du was passieren wird?” Clemon: “Ich kann es dir nicht sagen. Ich hoffe das Richtige.”  Gespannt warteten Clemon und Semilia auf den richtigen Zeitpunkt, doch wann war der richtige Zeitpunkt? Minuten verstrichen und als von weiter Ferne das Glockenspiel einer ihnen unbekannten Kirche tönte, schauten sie sich tief in die Augen und Clemon setzte sich ohne ein Wort neben Semilia. Er legte den Schleier um ihrer beiden Köpfe und küssten sie. Mit einem Schlag waren beide verschwunden. Der Schleier fiel ins Boot, die Glocken verstummten und zwei Schmetterlinge flogen in die Weite der Nacht. Seitdem gibt es Schmetterlinge.   Schmetterling (2010) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -