Rein, klar, wolkenlos und mit Sternen besetzt war der Himmel in dieser Nacht. Der Wein rann mir durch die Venen. Etwas melancholisch und von Gedanken durchsetzt stieg ich durch die Straßen. In meinem Kopf schwirrten Überlegungen, Wünsche und Träume, welche ich am liebsten jetzt gleich und von einen auf den anderen Moment umsetzen wollte. Doch alles war viel komplizierter und verworrener als ich es mir jemals erträumt hatte. Unruhig und versunken ging ich meinen Weg, aber ohne ein wirkliches Ziel zu haben. Streusand und Eis ergaben ein seltsam monotones Geräusch beim Gehen, welches mich störte, aber ich es nicht ändern wollte, weil ich es nicht konnte. Also nahm ich es hin, wie so vieles was man einfach hinnehmen muss, weil keiner einen Einfluss darauf hat, zumindest nicht wirklich. Ich schlenderte weiter, Straße um Straße, Fußweg um Fußweg, an Bäumen, Zäunen, Häusern und Autos vorbei, einfach immer der Nase nach. Ich wusste nicht genau wie weit ich schon gelaufen war und kurzzeitig überlegte ich, was ich eigentlich hier mache. So allein durch die Straßen zu laufen, mit einer Flasche Wein in der Hand, eine Erfüllung? Sollte ich nicht einfach umdrehen und nach Hause gehen? Einfach ins Bett fallen, ausschlafen und am Morgen bei offenem Fenster in die frische Morgenluft fröstelnd hinausschreien. "Welt ich liebe dich"? So einfach war das alles nicht, denn dies war auch ein Traum oder Wunsch, den ich nicht einfach so umsetzen konnte. Klar konnte ich das tun, aber es geht nicht darum wie einfach man etwas tun kann, es geht darum mit welcher Einstellung zum Leben bzw. mit welcher Liebe man etwas tut. Ich lief einfach weiter in die Nacht hinein. Nach weiteren ungezählten Schritten entdeckte ich einen kleinen beleuchteten Park. Dieser Park zog mich irgendwie magisch an. Ich lief in die Mitte der von Bäumen umsäumten Wiese und schaute mich um. Niemand war hier. Ich war allein mit den verblassten Parkbänken und den angrenzenden kleinen Wegen, wo am Tag noch so viele Menschen gingen und saßen. Jeder mit seinen eigenen Problemen und seiner eigenen Gedankenwelt. Verlangen nach mehr - nach viel mehr machte sich in mir breit, so breit, dass ich blieb und mein Gesicht mit geschlossenen Augen gen Himmel streckte. Ich zündete mir eine Zigarette an, spürte den kalten Nachtwind, wie er unter meine Jacke fuhr, mein Haar durchstreifte und anfing mit meiner Hose zu spielen. Das leichte Flattern meiner Hose und dem seichten Wind der mir um die Ohren pfiff verschlang mich. Ich nahm einen Schluck Wein, zog an meiner Zigarette, öffnete die Augen und sah in die Sterne. Ich fühlte mich frei und wie ein kleines aber doch bedeutendes Licht in dieser Nacht. Ich stellte mir vor wie viele Menschen wohl jetzt genau zu diesem Zeitpunkt dasselbe tun. Ganz genau wie Amelie auf dem Dach, als sie sich die Frage stellte, wie viele Menschen jetzt wohl gerade Sex hätten. Alles Bedrückende verlor an Bedeutung und ich vergaß Raum und Zeit. Gefangen von diesem Schauspiel streckte ich die Arme aus. Ich weiß nicht, wie lange ich in den Himmel starrte und mich in dieser Position verlor, doch es war traumhaft so zu rasten und sich selbst und die Natur zu spüren. Mein Atem ging langsam, ich hörte mein Herz schlagen und eine Welle der Zufriedenheit breitete sich aus. Ich schloss alles in mich, spürte jeden Winkel, jede Ecke, jeden Baum, jeden Grashalm, jeden noch so kleinen Kieselstein. Unbeschreiblich, wahrhaftig und lebendig kam ich mir vor. Alles durchfloss mich und ich spürte die Energie des Lebens.  Sollte es dir mal schlecht gehen, dich der Mut verlassen, der Zauber all seine Magie verlieren, die Liebe in dir selbst in Selbstzweifel ertrinken, dann gehe raus an einen Platz der dir gefällt und lass dich fallen bzw. lausche der allgegenwärtigen Musik des Lebens. Bei Nacht (2008) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -