1.Szene Tim und Jim schlenderten durch die hell beleuchtete Stadt. Es hatte begonnen zu dämmern und das Nachtleben erwachte. Dieses Gespräch fand in Gebärdensprache statt, denn Jim ist taubstumm.  Jim: “Kannst du dir eigentlich vorstellen weder sprechen noch hören zu können?” Tim: “Ja und Nein. Ich weiß nicht genau, aber ich glaube ich kann es mir vorstellen.” Jim: “Was denkst du wie das ist? Kannst du versuchen deine Vorstellung zu erklären?” Tim: “Es ist nicht leicht dies zu erklären. Alles ist still, kein Laut erlangt jemals die eigene Welt. Nicht einmal das Vibrieren der Stimmbänder existiert. Der Mund bewegt sich, Hände übernehmen das Kommunizieren. Diese Stille möchte man bestimmt jeden Tag gern erfüllen. Wenigstens mit einem winzigen Laut, mit einem kleinen Piepser sagen, dass man da ist, aber alles ist nur ein warmer Lufthauch bleibt. Auf sich aufmerksam machen und ständig aufmerksam zu sein, stelle ich mir unheimlich schwer vor. Es gibt tausend Situationen die sehr viel Disziplin erfordern. Manchmal wünschte ich mir, solch eine Disziplin hätten „normal“ Menschen auch. Ich, als ein Mensch dem dieses Schicksal erspart bleibt, kann mir natürlich nur vage vorstellen wie das ist keine Ebene des Hörens und Sprechens zu haben. Vibration und eine sehr sensible Abstimmung auf seine Umgebung bzw. auf seine Sinne ist hier einzig und allein hilfreich.”   Jim: “Ich nehme an, dass du dich in solchen Gesprächen, welche durch die Zeichen der Gebärendsprache leben, in mich hineinversetzen musst?”  Tim: “Ja natürlich. Anders wäre es weitaus schwieriger für mich dem Verlauf des Gespräches zu folgen.”  Jim lächelte zufrieden und verständnisvoll. 2.Szene Jim und Tim liefen weiter durch die Straßen. Ab und an hielten sie an und schauten in das ein oder andere Schaufenster. Wenn Jim was zu sagen hat, dann tippt er Tim leicht auf die Schulter und begann langsam zu gebärden. Jim: “Weißt du worauf ich jetzt Lust hätte? Auf ein Eis. Du auch?” Tim: “Tolle Idee. Die Nacht ist jung und gegen eine kleine Erfrischung in dieser lauen Sommernacht ist nichts einzuwenden.”  Jim drehte sich ohne zu fragen welche Sorte Eis Tim haben wolle um und steuerte in hastigen Schritten auf das in ihrer Nähe befindliche italienische Eiscafé zu. Eisverkäufer: “Guten Abend.”  Jim nickte dem Eisverkäufer zu. Eisverkäufer: “Bitte, Sie wünschen?” Jim hatte die Frage natürlich nicht gehört und schaute auf die vielen Sorten Eiscreme und konnte sich nicht entscheiden. Eisverkäufer: “Hallo? Was wünscht der Herr?” Jim starrte weiter auf die Eisbehälter und der Eisverkäufer verzog sein Gesicht. Er machte eine abwertende Handbewegung und fragte dann aber nochmal. Eisverkäufer: “Hallo? Was darf es sein?” Jim schaute, ohne das er dem Eisverkäufer Beachtung schenkte, weiter auf die verschiedenen Eissorten. Genervt drehte der Eisverkäufer sich weg und wollte gerade einen weiteren Gast bedienen, als Jim aufblickte und mit einem Finger-Schnipp dem Eisverkäufer klarmachte, dass er als nächstes an der Reihe war. Eisverkäufer: “Ist ja schön, dass wir mal ausgeschlafen haben.” Jim zeigte unbekümmert auf vier verschiedene Sorten Eis, zahlte und lächelte mit einen Kopfnicken, um seinen Dank auszudrücken, dem Eisverkäufer zu. Als Jim sich zu Tim umdrehte, hielt er triumphierend die beiden Eiswaffeln in die Höhe und lachte. 3.Szene Jim gab Tim das Eis und nickte lächelnd: “Bitte schön mein Freund.” Tim lächelte zurück: “Danke schön Jim.”  Jim: “Kein Problem. Gern geschehen.” Sie liefen langsam ohne bestimmtes Ziel weiter in den Abend und nicht weit vom Eisstand entfernt, gab, inmitten der Promenade, eine Pantomime eine Vorstellung. Jim und Tim sahen sich mit leuchtenden Augen an und Tim gab zu verstehen: “Was für ein Zufall.” Gemeinsam  traten sie ein Stück näher und blieben bis das Eis aufgegessen war.   Jim und Tim (2010) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -