Es kribbelt in den Fingern. Ich will schreiben, doch etwas blockiert oder steht im Weg. Wegräumen, Auflesen, aussortieren, Schublade auf, Mülleimer her. Wo versteckt sich Kehrschaufel und Besen? Sichtlich gestresst, bilden sich kleine Gebirge auf meiner Stirn. Verdammt wo ist die Antifaltencreme? Sollte ich mir jetzt eine Gurkenmaske machen und dann mit frisch aufgelegten Gurken hier an dieser Stelle weitermachen? Ach Schmarrn. So was ist für`n Arsch. Falten müssen her. Die gehören zum Charakter. Ich sollte mal eine kleine Hommage über Falten verfassen. Es gibt ja eine ganze Palette von Falten. Die Schönsten sind für mich immer noch die Lachfalten, auch Mimikfalten genannt. Jene die sich um die Mundwinkel und die Augenpartie bilden. Und je mehr das Lachen aus den Gesichtern tritt, graben sich diese tiefer und tiefer, doch machen diese Falten, meiner Meinung nach, kein Deut hässlicher. Eher doch sympathischer! Oder? Wo liegt der Sinn daran ständig wie ein gebügeltes und straffgezogenes Tischtuch auszusehen? Ohne Kontur. Wäre da nicht alles langweilig und gleich? Stellen wir uns die Welt ohne Hügel, Seen, Berge und Täler vor. Also Einzigartigkeit ist für mich was anderes. Alles wäre trist, ohne Vielfalt und würde gleich aussehen. Puhh...bäh...schnell die Augen auf etwas mit mehr Konturen richten. Sinnlos. Wo ist mein Spiegel? Jetzt habe ich alles aufgeräumt und schon finde ich nichts mehr. Also Schublade auf, ausräumen und nachsehen. NEIN. Den werde ich doch nicht weggeworfen haben? Minuten später. Der Boden ist übersät mit allerhand nutzlosem Zeug, was man irgendwann mal wieder brauchen könnte. Typisch Ossi höre ich da schon wieder. Brauche ich das wirklich alles? Bei manchen Dingen, die ich während der Suche achtlos beiseitelege, stelle ich mir flüchtig die Frage. "Wozu habe ich diesen Scheiß gekauft, behalten bzw. aufgehoben? Whatever?" Kopfschütteln. Ratlosigkeit. Doch siehe da, plötzlich erhellt sich mein Gesicht. Der Spiegel! Ja - Ja - Ja,hüpfe ich, freudig, schmunzelnd, strahlend, fast schon lachend, wie Pumuckl vom einem Bein auf das andere. Jetzt wird erst mal richtig das Gesicht entstellt, gelacht bis die Tränen fließen und alle Sekunde lang eine andere Grimasse gezogen. Herzlichkeit und der Sound von Moscow fliegen durch die Luft. Und wie es der Zufall will, schwirren mir gedanklich Unmengen von Gesichtern vergangener Tage um die Nase. Quasi Falten über Falten. Manche bleiben klar und sind zum greifen nahe und wieder andere verschwinden ganz schnell. Es ist komisch, viele sagen mit Cremes und Tinkturen ihren Falten, die sich so über die Jahre in die Gesichter eingebettet haben, den Kampf an. Doch warum? Verdammt! Botox rules. Das ich nicht lache. Im Grunde genommen ist es simpel. Wer keine Falten will, sollte niemals lachen, weinen, sich Sorgen machen, sich Stress aussetzen und Gefühle zeigen. Juhu, dann ist endlich alles perfekt. Eine Welt aus Robotern. Lief da nicht vor kurzem ein gar nicht mal so guter Film im Kino? Egal. Tja, da bin ich um die ein oder andere Falte gereift, gealtert, reicher oder was auch immer. Doch wer hilft mir jetzt beim Aufräumen?    Wer will Falten? (2009) Copyright  2012 - Design & Idee @ www.Sousey.de - Alle Rechte vorbehalten -